Ich möchte euch heute eine kleine Diskussionsrunde anbieten. Ich werde heute die letzten Bilder meiner Werkstatt bis zur Hammereinweihung vorstellen und über dieses und jenes etwas reden. Gerade auf Arbeitssicherheit, Ergonomie aber auch Qualität und Ambiente werde ich ein wenig eingehen. Es werden wieder viele Bilder zur Veranschaulichung dabei sein.
Ich werde, in dem wohl für alle am interresantesten Bereich anfangen, der Schmiede.

Mit gut 20m² eine schöne Raumgröße. Einrichten möchte ich sie angehlent an eine alte Dorfschmiede. Dementsprechend soll natürlich auch das Werkzeug passig und stimmig dazu sein. Entfernen werde ich noch die Blechscheren, sowie mir eine Idee mit den Ölfässern und der Esse einfallen lassen (wohl aufgemauert). Nun ein paar nähere Aufnahmen/Erläuterungen.

Der Hauptschmiede-Bereich. Alle wichtigsten Werkzeuge sind im Umkreis von max. 2 Metern und somit schnell zu erreichen. Trotzdem ist der Freiraum so bemessen, das problemlos an allen stellen ordentlich gearbeitet werden kann. Auch Zuschläger/Zuhelfer wurden dabei bedacht. Ausreichend für mich hier ist auch ein einziger Amboss, der das Zentrum des Raumes bildet. Zangen, Hämmer sowie Gesenkhämmer sind alle nah zur Esse angebracht, dort wo sie am einfachsten zu erreichen sind. Neuste Errungenschaft wie evtl. schon von einigen gesehen ist der schwere Schmiedeschraubstock.

Heute habe ich noch die Ausgleichsscheibe sowie die Feder geschmiedet. Eingelassen ist die 30mm Fußplatte mit 4 M22 Gewindestifte, welche 120mm tief im Boden mit Montagemörtel/Spritzanker eingeklebt wurden. Zwischen Fußplatte und Boden dienen zur Ausgleichung von Bodenunebenheiten 8mm Bautenschutzmatten. Der Schraubstock wiegt 45kg, der Ständer dürfte bei ca. dem gleichen Gewicht sein. Vorteile sind, wie schon einmal hier genannt, der Freiraum um den Schraubstock und die Verdrehsicherheit beim Torsieren bzw. Biegen. Dafür steht der Schraubstock relativ fix in der Werkstatt. Hämmer und Gesenkablage sind in direkter Nachbarschaft, um möglichst kurze Arbeitswege zu schaffen.

Hier sind alle Gesenke, Meißel, Dorne und andere Werkzeuge sauber nach Art und Größe sortiert aufbewahrt. Schnell entwickelt man ein Ordnungssystem, was sich positiv auf die Arbeitszeit auswirkt. Alles ist leicht zugänglich und sauber aufgeräumt. Zudem hat es einen angestammten Platz, was die Unfallsicherheit erhöht.

Auch eine Errungenschaft die ich noch nicht vorgestellt habe. Neben der Esse steht jetzt eine kleine 400x400er Richtplatte mit 75kg. Sie ist sehr zuträglich, und wegen ihrer Kompaktheit auch für massive Richtarbeiten geeignet.

Hier noch einen kleinen Blick auf die Werkbank. Zwei sorten Schraubstöcke (wobei der Parallelschraubstock noch gegen ein älteres, ambientigeres Modell ausgetauscht wird). Der Amboss dort dient ab und an als Bankamboss, wird dort aber eher als Schaustück stehen. Große Arbeitsflächen neigen zum vermüllen, deshalb sind diese stehts sauber zu halten. In den zwei Schubläden liegt, vor Staub geschützt, das Anreißwerkzeug, sowie andere Hilfsmittel wie neue Schutzbrillen oder Notverarztungszeugs. Auch meine Feilen habe ich bisher in der zweiten Schublade gelagert, dies werde ich aber wohl demnächst ändern, da eine freihängende Lagerung der Feilenqualität zuträglicher ist. Auf der unteren Ebene wird Abschnittmaterial und "Sonderstahl" gelagert, der hauptsächlich/nur zum Schmieden anwendung findet.
Soweit die Übersicht zur Schmiede. Bevor ich mit meiner Ausführung über Qualtität etc. anfange, möchte ich euch noch die anderen Räume vorstellen.
Das Schleifzimmer, beinhaltet wie der Name schon sagt, alle Schleifmittel. Hier werden in beiden Werkzeugschränken einige Sonderwerkzeuge die selten in einer Schmiede gebraucht werden, gelagert. Aber auch Fachbücher und Nachschlagewerke finden hier Zuflucht.


Eine sortierte Auswahl an guten Scheiben für den Winkelschleifer erleichtert den Arbeitsvorgang erheblich und führt auch zu höherer Qualtität. Werden alle gebräuchlichsten Scheibentypen schnell Zugänglich aufbewahrt, schlägt sich dies erneut positiv auf die Arbeitszeit nieder.
Zum letzten Raum. Materiallager, Zuschnitt und Schweißerei.


Die Bügelsäge wurde Parralel zum Materiallager platziert um kurze Wege zu haben. Fehlend sind noch 4-6 Auflageböcke. Auf beiden Seiten der Säge sind 6m Platz um alle Rohmaterialien verarbeiten zu können. Ersatzblätter sowie Schmieröl sind an der Säge vorhanden. Extra Schmieröl/Schutzbrille sind auch am Bohrtisch zu finden.
Für den Schweißtisch ist momentan noch eine Schweißrauchabsaugung im Bau. An jedem Arbeitsplatz ist die dafür wichtige Schutzausrüstung vorhanden. (Eigene Schutzbrillen für Bohrmaschine, Schweißplatz, Schleifzimmer, Schmiede. Jeweils passende Handschuhe für Materialzuschnitt, Schweißerei, Schmiede. ETC).
So... Nun zusammenfassend. Was möchte ich mit diesem Beitrag?.
Zuerst möchte ich allen Anfängern eine Anlaufstelle bieten, um sich etwaige Konstruktionen bzw. Aufstellungen abzugucken, mal zu erfahren bzw. nachzufragen warum was, wo, und wie aufgestellt wird/wurde. Dies ist ja immer Werkstatt und Arbeitsanfallend abhängig. Auch möchte ich zeigen, was in 3 Jahren aufgebaut werden kann, wenn man viel Glück hat und genügend Eigenantrieb investiert.
Ausdrücklich weiße ich davon zurück, hier zu zeigen "Was man alles hat". Es geht mir nicht darum etwaigen Neid zu schüren, oder damit herauszustechen. Es ist mir eben ein Hobby geworden, das mir sehr am Herzen liegt. Ausserdem gibt es auch genügend andere reizvolle Werkstätten, die ihren eigenen Stil und Flair haben.
Kommen wir zum Kernpunkt der Sache. Es soll ein kleiner Aufruf, eine kleine Anforderung an alle Hobbyisten sein. Schmieden ist ein schönes Hobby, das bereits mit sehr wenig Aufwand betrieben werden kann. Allerdings steigern gewisse Maschinen, Werkzeuge und Erfahrungswerte die Qualität der Arbeiten drastisch. Ich möchte damit jeden Hobbyist anspornen, eine stimmige Werkstatt aufzubauen, auf Ordnung, Qualität und Arbeitssicherheit zu achten. Ein sauberer Arbeitsplatz ist sicher, angenehm, es macht Spaß dort zu Arbeiten und es bringt auch einen guten Eindruck. Schmieden haben oft generell einen sehr düsteren, staubigen, mit Werkzeug überladenen Anschein. Aber Ordnung gehört dazu. Und nur mit hoher Qualität kann man heute noch bei Kunden/Interresierten punkten.
Oft hört man in Diskussionen, oder auf diversen Treffen, das das Schmiedehandwerk am aussterben sei. Dem ist definitif nicht so.
Auch hier im Forum lässt sich das am großen Neulingszuwachs erkennen. Wir haben also grob gesagt einen quantitativen Andrang aufs Schmiedehandwerk. Wichtig finde ich nun ist, diesen quantitavien Andrang, in einen qualitativen umzuwandeln. Quasi ein kleiner "Bildungsauftrag" an alle Profis, Semi-profis und eingeübten Hobbyisten. Den Anfängern unter die Arme zu greifen, ab und an mal den ein oder anderen Wink zu geben, oder sie auf Treffen mitzuziehen. Einmal einen Nachmittag mit ihnen zu verbringen und zu fördern. So ist es mir auch ergangen, und dafür bin ich einigen Personen sehr dankbar.
Nun erwarte ich natürlich gespannt eure Reaktionen, Gedanken und Kommentare zu diesem Thema.
Ein hoch auf das ehrbare Schmiedehandwerk!
Viele Grüße, oder
Stück davon,
Alex