Preis für Beche 175 KG?

3. April 2016 um 09:51
Heute habe ich mal eine Frage an die Lufthammerspezialisten unter uns:

Ein Bekannter möchte einen alten Beche 175 KG verkaufen, ähnlich diesem hier (Achtung kein Originalfoto!): Klick mich
Das Teil hat die Sechseckschabotte, ist ca. 100 Jahre alt und hat in einer kleinen Gesenkschmiede gelaufen, wohl zum Vorrecken beim Fallhammerschmieden. Die Firma war bis 1993 in Betrieb, seitdem steht der Hammer im Dornröschenschlaf in der Halle, welche dann als Lagerraum genutz wurde.
Das gute Stück hat neue Keilriemen bekommen und läuft! (habs auf einem handyvideo gesehen)
Frage: was kann man dafür als Verkaufspreis ansetzen?
Hab mal gegoogelt und gesehen daß wesentlich kleinere Hämmer für 4-5000€ gehandelt werden. Könnte mir vorstellen daß dieser Hammer dann so 8-10.000€ bringen könnte.
Ich bitte um eure Statements dazu.

LG Martin DerSchlosser
Ein Hoch dem ehrbaren Schmiedehandwerk!
Zuletzt bearbeitet: 3. April 2016 um 09:52, Martin Hartung / DerSchlosser
3. April 2016 um 13:44
Hallo Martin

Wirklich gut kenne ich mich mit den Preisen nicht aus, aber auf Maschinensucher steht schon seit geraumer Zeit eine Beche L4 aus den 80ern für 4500 Netto. wenn die Maschine sich in einem guten zustand befindet würde ich den Preis auf 9000 Brutto ansetzen, plus nen Handels spielraum und Demontage Kosten. Wenn man genug Zeit zum verkaufen hat wird sich da bestimmt ein Interressent finden, Ich selber habe für meine 65kg Beche in guten Zustand mit Demontage und Lieferkosten 1600 bezahlt und die Montöre haben fast nen ganzen Tag gebraucht, da die Deckenhöhe etwas niedrig war. Also die demontagekosten sollte man bei diesen Maschinen nicht unterschätzen!

Gruß Martin
Zuletzt bearbeitet: 3. April 2016 um 13:49
3. April 2016 um 13:47
Hi hi!

Die Preise für "schwere Lufthämmer" liegen weitaus niedriger wie für leichte Lufthämmer! Und der Grund ist ganz einfach: Die schweren Maschinen bedürfen einer genehmigungspflichtigen Aufstellung. Die kleinen Hämmer nicht. Und die schweren Lufthämmer braucht eigentlich keine Schmiede mehr. Vorrecken ist heute zu teuer geworden als dass es sich beim heutigen Lohnniveau noch lohnen würde.

Um herauszufinden was so ein 175 Kg Hammer wirklich wert ist: Peschla in Hückeswagen fragen oder bei Presstrade in Kehl anrufen... Die sagen euch was so ein Hammer noch wert sein kann. Oder ihr findet die Person die gerade genau den Hammer braucht und dann auch euren Wunschpreis zahlt.
Dann ist der Preis (8000-10000 €) zu realisieren.

Ansonsten werdet Ihr für den Hammer nur einen weitaus geringeren Preis erzielen können. (Ich weiß von 150 Kg Beches im guten Zustand die für 1500€ die Besitzer gewechselt haben.) Und neue Keilriemen sind dabei kein wirkliches Argument! Das sind Verschlleißteile und auch nix teures (außer man geht zur Autowerkstatt ).

Ein weiterer Negativpunkt bei der Sache ist das Schabott! Der Hammer muss da drüber gehoben werden... Also braucht man bei der Maschine auch "schweres Werkzeug" um den Aus- und Einbau zu meistern. Das wird euch den Verkaufspreis auch nicht in die Höhe treiben

Dann mal viel Glück bei der Suche nach dem besten Preis!

Gruß

Oli
Zuletzt bearbeitet: 3. April 2016 um 13:53
3. April 2016 um 13:57
@ Worschdsub
Schon schade das diese alten schönen Maschienen teilweise nur noch knapp übern Schrottpreis gehandelt werden 
@Martin Wenn ihr keinen Zeitdruck beim Verkauf habt, würde ich es für 8000-9000 versuchen ansonsten verkauft sie in die USA. Soweit ich weiß zahlen die da sehr gut für so Alte Deutsche Hämmer.

Gruß 
Zuletzt bearbeitet: 3. April 2016 um 14:03
3. April 2016 um 14:17
Hallo Martin,

da muss ich Oli recht geben. Die kleineres Maschinenhämmer sind eher gesucht, als die großen. Zum Einen liegt das an der Genehmigungsfrage und zum Anderen an dem noch möglichen Einsatz. Im Gewerblichen Bereich sind die großen Hämmer nicht mehr gesucht, weil damit kaum noch jemand arbeitet und was soll ein Hobby-Schmied - worauf Sebastian neulich darauf hingewiesen hat - mit solch einem großen Hammer? Deswegen fällt die Preiskurve mit steigendem Bärgewicht schnell wieder ab. So ein Bêché in der Größenordnung vom L4 hat nun auch ein Maschinengewicht von unsgesamt rund 5,5 Tonnen.

@Goldschmied: Habe ich richtig gelesen, dass Du den Bêché L2, nachdem Du letztens hier gefragt hast, für € 1.600,- erworben? Das ist ein sehr, sehr guter Preis. Meine Glückwünsche dazu!

Viele Grüße!
Folgt PARX auf Instagram https://www.instagram.com/parxforging/
3. April 2016 um 14:54
Hallo,

hier kann ich mich im Großen und Ganzen nur meinen Vorrednern anschließen. Dieser 175er Bêché wird leider mit größter Wahrscheinlichkeit ein Ladenhüter werden.
Selbst ein 100er ist schon schwer verkäuflich. Hab mal von einem Schrottplatz erfahren, welcher zwei Stück von diesen schönen Hämmern verschrottet hatte, nachdem die Maschinen selbst für bescheidenes Geld nicht an den Mann zu bringen waren

Die kleinen Hämmer dagegen, welche in der Kleinschmiede bestens verwendet werden können, sind auf dem Markt im Gegensatz zu den größeren Modellen allerdings fast schon so selten wie die "Blaue Mauritius" (daher die teilweise geradezu astronomischen Preise für diese Maschinen).

Hab für meinen 40er Bêché mit Achtkantschabotte tatsächlich fast 20 Jahre die Augen aufgehalten, bis der Wunsch dann endlich Wirklichkeit wurde...

Grüße!
Zuletzt bearbeitet: 3. April 2016 um 16:22, Sebastian
3. April 2016 um 15:38
Hallo Leute,

Vielen Dank für eure Ausführungen zu diesem Thema, mein Wissenshorizont hat sich jetzt um einiges erweitert
Mal sehn ob er den Hammer überhaupt los wird (außer beim Schrotti natürlich)
Ansonsten kaufe ich ihn uns stelle ihn vor meine Bude

LG DerSchlosser
Ein Hoch dem ehrbaren Schmiedehandwerk!
4. April 2016 um 08:03

Leider ist dies nicht neues, ich beobachte das in z.b. Maschinensucher schon länger. Fakt ist nun mal, das sich viele schöne, immer noch hochwertige alte Maschinen für eine moderne Fertigung nicht mehr eignen. Da bleibt dann nur der Hobbyist als potentielle Käufer übrig, oder es geht ab ins Ausland(und die Markt wird auch immer kleiner, nehmen auch längst nicht mehr alles und wenn werden auch keine Spitzenpreise bezahlt).

Schaut euch mal andere Maschinen an, wie zum Beispiel Drehbänke und Fräsmaschinen. Ein netter kleiner Weiler Matador kostet ein kleines Vermögen. Ein 5 Tonnen Klotz mit drei meter zwischen den Spitzen bekommst du nachgeworfen.

Ein Deckel FP1 ist ebenso (sau)teuer, die grössere FP3 oder 4 gibt's wesentlich günstiger.

Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen: Drechselbänke, Kreissägen usw. usw.

Bei den Lufthämmern kommt halt erschwerend dazu, das bei den grösseren(so ab 100 kg) locker mehrere Tausend Euro zum Kaufpreis dazu kommen für Abbau, Transport, (Riesen) Fundament, Schwingungsdämpfung und Aufbau. Das Genehmigungsproblem sollte mann auch nicht unterschätzen, es braucht nur ein Anruf vom Nachbarn.......

Adriaan

...den es aber auch in der Seele wehtut wenn ein toller 100 kg Beche im Museum für sich hin vegetiert.....obwohl das immer noch besser ist als im Hochofen zu landen