Radreifen / Bodenfund

19. Juni 2012 um 23:24
Meine Nachbarn habe eine riesiege Tanne gefällt beim ausgraben der Wurzel wurde ein 1,5m  durcmessendes Wagenraad gefunden, die Holzkomponenten waren natürlich nur noch zu erahnen aber den Radreifen ist zwar schwer angeschlagen aber er ist halt so massiv das er gröstenteils die Jahre gut überstanden hat.
Ich habe mal gehört das diese Reifen aus gutem Stahl wären, und auch wegen der Kaltverformung (stimmt das?)
Ist das eine Öberflächen-härtung oder geht die "tief ins Fleisch"? Denn die Oberfläche sollte sich schon ca. 50 Jahren ins Erdreich abgemacht habe.
Als ich den Reifen mit der Flex in handlichere Stücke geschnitten habe waren die Funken schon sehr verästelt, aber die Flex musste sich durch ne Menge Rost und Dreck beißen. Eine Bruchkante sah nicht gerade aus als wenn der Stahl sonderlich hart wäre.
Vielleicht hat hier jemand Erfahrung mit dem schmieden von Wagenradreifen.

Ich werde aber sowieso was draus machen weil mich die Vorstellung fasziniert mit so altem Material zu arbeiten. Ich müsste mal die Jahresringe des Baumes nachzählen um ein Mindestalter zu haben..      

   
"Hammer und Schw*** benutzt man ganz"... sagte ein alter Schmied der mich damit darauf hinwies, das ich den Hammer anders halten soll.  
20. Juni 2012 um 07:42
Jahresringe brauchst du nicht zählen,frage jemanden bei dir der gleich von der Stamm-dicke her dir sagen kann wie alt der Baum ist.

Härtbar wird der nicht sein,schneide mal was ab,mache es Blank und Ätze es an,wenn es recht Dunkel wird,dann hast du Mn drin und wirds wohl kein Raffiniereisen/Stahl sein,vielleicht kannst da dann aber sehen ob es irgend welche Strukturen hat.

Gruß Maik
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20. Juni 2012 um 08:07
Hi Kauz.

Ich hol mir alles was ich an "altem" Stahl am Schrott kriege. Radreifen oder Achsen und Schlittenkufen sind da sehr gefragt, da leicht weiterverarbeitbar.
Ist noch ein reines Material, und läßt sich traumhaft feuerschweißen. Bisserl anwärmen, auf den Ambos hauen...hält. Gibt in Verbindung mit alter Feile einen sehr schönen Damast.
Die Härte in den Reifen ergab sich durch die Kaltverdichtung in der Benutzung. Die ist aber nach dem Anwärmen ja wieder weg.

@ Damastschmied: ganz so einfach isses nicht mit den Jahresringen. Diese sind je nach Witterung und Höhenlage unterschiedlich stark, also doch zählen.
lg

Walter
20. Juni 2012 um 08:15
Deshalb soll er ja jemanden vor Ort fragen,Anruf beim Förster oder so und Durchmesser angeben,aussage über den Radreifen macht es aber sowieso nicht.Es wird oft von Puddel gesprochen,wäre schön wenn auch jemand so einen vorweisen könnte.

Gruß Maik
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20. Juni 2012 um 23:38
Öh sorry, ich stehe auf dem Schlauch, aber was wird gemeint wenn man von Puddeln spricht?
Stehender Begriff? Gleichniss? Regionale Bezeichnung? Tippfehler?

Klar weis ich nicht wie alt der Reifen war als er eingegraben wurde und wann der Baum darüber gewachsen ist. Aber ein Mindestalter könne man nennen. Da das ganze in einem Garten war ist der Förster nicht so ganz der rechte Ansprechpartner. 

Die Stammdicke war ca. 60-70 cm in einem Meter Höhe. Aber ich zähle noch mal nach   
  
"Hammer und Schw*** benutzt man ganz"... sagte ein alter Schmied der mich damit darauf hinwies, das ich den Hammer anders halten soll.  
21. Juni 2012 um 06:34
Hallo Kauz,

Damastschmied hat sich nicht vertippt. Er meint Puddeleisen. Durch das Puddelverfahren wird dem Stahl der Kohlenstoff und Verunreinigungen entzogen, er wird dadurch elastisch und bricht nicht so leicht. Siehe Wikipedia-Beitrag.

Liebe Grüße
Michi 
21. Juni 2012 um 08:20
Mit Förster meine ich nur einen der es an Hand der Maße wissen müßte wie alt der Baum geworden ist(ich nehme es aber auch nicht so genau aber bei dem Durchmesser hat der Revierförster wohl doch etwas mitzureden gehabt).

Aber genauso hätte eben auch ein Waldarbeiter/Sägewerker es wohl einschätzen können,weiß jetzt nicht,ob ein Laie beim Ringe zählen Fehler machen kann.

Bei Puddel einfach im Blauen suchen,da kannst du auch an Messergriffen Bilder von Ätzstruckturen sehen die in Richtung Blätterteig gehen.

Aber hier könnten dir Leute bestimmt auch Objekte zeigen.

Eine Analyse habe ich auch hier veröffentlicht von einem Radreifen,aber der Mn-Gehalt spricht da wohl eher was von "Baustahl",andere Reifen zeigten helleres Ätzverhalten.
Habe beides für Klingenmantel benutzt und bin zur Erkenntnis gekommen das es mir für Klingen die einen dünnen Schneidenkern haben und auch als dünnes Haumesser benutzt werden sollen,dafür sorgen das sie sich verbiegen können aber nicht von allein sich wieder zurück biegen können.

Gruß Maik
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25. Juni 2012 um 16:32
Hallo zusammen,

mit solchen Funden kann man leicht um eineiges daneben liegen.
Einfach die Eigenschaften, die man haben will austesten.
Ein Vergleichsstück etwas plan schleifen, vom Radreifen ebenfalls ein Stück planschleifen. Dann mit einer Kugellagekugel, die man zwischen die beiden Stücke legt Vergleichshärte feststellen. Mit einem Hammer nicht zu klein (ca. 1000-1500 gr.) auf die Anordnung einen guten Schlag ausführen, vorsicht die Kugel springt sehr leicht weg, Jetzt die Einschlagdellen vergleichen, mit einem Messschieber messen.
Feststellung die Einschlagdellen sind größer als ein drittel des Kugeldurchmessers, neuen Versuch mit einer größeren Kogel durchführen.
Der Einschlag im Reifenmuster ist kleiner als der im  Vergleichsstab > Reifen ist härter
Der Einschlag im Reifenmuster ist größer als der im Vergleichsstab  > Reifen ist weicher
Beide Einschläge gleich Härte ebenfalls gleich.
Den Kohlenstoff durch eine Funkenprobe ermitteln, auch hier mit bekannten Marterialien vergleichen.
Radreifen haben meist einen niedrigen Kohlenstoffgehalt, Folge sehr weich aber Rostbeständig.

Übrigens halte ich das Alter für um ca. 1940 also um die 60-70 Jahre . In dieser Zeit wurde alles vergraben was einem lieb und teuer war. Es musste damals alles was für die Herstellung von Kriegsware verwendet werden konnte abgegeben werden. Um den Reifen wieder zu finden wurde an dem Ort ein Bäumchen gepflanzt. Wie`s im Krieg so ist sind die ,die davon wussten nicht mehr nach Hause gekommen und so blieb das gute Stück eben vergraben.
25. Juni 2012 um 20:09
Aisperg, da hast du aber eine sehr Orginelle Methode zur Härteprüfung vorgeschlagen. Eine Händische Brinellermittlung

Spass beiseite. Ich habe vor 30 Jahren in einem der grössten Stahlwerke der Welt angefangen, und einige Jahre dort gearbeitet und sehr viel gelernt. Vor allem sehr vieles was ich vorher während meinen Gesellenjahren niemals erzählt bekommen habe.
Da wir zig Stähle (Ich habe den Hauseignen Stahlschlüssel heute noch) aus eigenem Hause dort verarbeiteten hatten wir "jungen" unsere eigene Methode um einigermassen eine Richtung zu haben womit wir s zu tun hatten, resp. wo wir mit der Härte dran waren, nachdem diverse Konstruktionen geschweisst waren und Wärmebehandlungen anstanden, oder noch schlimmer das ganze auf einer 300 Tonnen Presse richten mussten. (Bruch/Rissgefahr)

Wir nutzten keine Kugeln, sondern schlugen den Schlackenhammer (Pickhammer?) den man zum entfernen der Schlacke beim Elektrodenschweissen benutzt mit der Spitze auf die Oberfläche.
Nach einigen Jahren, und regelmässigen Vergleichen an der allgemein zugänglichen Rockwell Messeinrichtung gaben einem ein einigermassen sicheres Gefühl für den Zustand des Materials.  
Also deine Methode ist vollkommen in Ordung, allerdings  weiss die breite Mehrheit damit nichts anzufangen, weil man wirklich andauernd damit arbeiten muss, um die nötige Erfahrung zu haben. Wenn man s drauf hat, ist man allerdings auf der gewonnen Seite.
Das gleiche gilt für die Funkenprobe, Glühfarben/Temeraturen, die Zeit in welcher Stähle (je nach Masse) anlaufen  beim Anlassen .....usw.....man muss ein Gefühl für die Elemente entwickeln.
Damals mit 19 war ich natürlich "Herr der Dinge", alle Älteren hatten keine Ahnung und schienen mir etwas zurück geblieben, alleine schon wie die redeten....unmöglich!!!!

Der Schmied , also Nein! DER WAR DEEEEEEEEFINITIF PRIMITIV!!!!! Er trank Mittags gegen 12.00 ,1-3 Schnäpse , und redete fast nichts. Auf meine Fragen wusste er üüüüüberhaupt keine Antworten!!!! ALLERHAND!!!
20 Jahre später musste ich mir allerdings heimlich eingestehen, dass es wegen seines Augenmasses, seiner Geschwindigkeit, seiner Intuition bezüglich der Elemente, seinen Arbeitsgängen , einfach keine Antworten gab auf meine primitiven Fragen gab.....................! Er wusste es einfach.................! Heute weitere 10 Jahre später weiss ich was Kunsthandwerk ist!
Es ist die perfekte Mischung aus  Wissen, gelerntem Können, und unglaublich viel Erfahrung und noch mehr Fehlschlägen.

Einen echten Handwerker zeichnet übrigends seine Fähigkeit, Fehlschläge einstecken zu können aus. 

Ich glaube dass Peter Brunner auf dem Weg dorthin ist, wenn ich seine Arbeiten so sehe. Gratulation zum Meisterstück.

Mit der Zeit erwischt man sich bei "Spleens" man entwickelt seinen Stil, das ist eine sehr wichtige Sache/Entwicklung. 

Man wird erkannt, der Künstler ist geboren.

So genug.
Entschuldigt dass ich mich hab gehen lassen. Ich liebe das Handwerk.
Gruß Rom. 
26. Juni 2012 um 09:22
Wichtig ist ja gleichbleibende Ausgangsqualitäten zu haben um überhaupt ein Vergleich zu haben/zu bekommen,bei EINEM Radreifen wird das nicht möglich sein.Selbst ätzen ist da oft ein Problem wenn ein bekannter Ni-Stahl (Leo 1) sich dunkel Grau färbt wenn er nicht als Damast an geätzt wird.
Beim Radreifen dürfte der Unterschied etwas leichter sein um festzustellen ob da zumindest um die 0,5-0,6 Mn drin ist.
Ob und in wieweit sich der Mn-Gehalt durch Kaltverfestigung sich gegenüber welchen ohne Mn zeigt ohne ausreichende Vergleichsproben.

Gruß Maik
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28. Juni 2012 um 06:49
Guten Morgen zusammen

Also die ganzen Radreifen die ich in der Werkstatt hab, sind alle aus Puddeleisen. Kann man schöne 3-Lagen-Klingen draus machen. Allerdings ist das sehr anfällig für Rost (wenn auch nur oberflächlich) und nicht unbedingt gut zu härten (dafür ja die Schneidlage) aber ist halt mal was anderes......
28. Juni 2012 um 06:57
Bei dem ersten Bild die obere Klinge und bei dem 2. Bild, das untere Messer sind mit Puddeleisen.